Team Driven Concept: gemeinsam Anforderungen effizient erarbeiten

In einer Kultur geprägt durch Silodenken, Fingerpointing oder fehlendem Mut zu Entscheidungen ist es schwierig, innovative Produkte mit Kundenfokus zu entwickeln. Statt zusammen wird gegeneinander gearbeitet, der wichtigste Erfolgsfaktor für gutes Requirements Engineering, das “miteinander Reden”, bleibt auf der Strecke. Unser Team Driven Concept Ansatz zur gemeinsamen Erarbeitung von Anforderungen im agilen Concept Team hat sich als eine Möglichkeit erwiesen, in eine solche Kultur zu intervenieren. Aber auch andere Herausforderungen im Requirements Engineering wie z.B. unstrukturierter Scope, fehlende Verantwortlichkeiten oder verteilte Stakeholder mit unterschiedlichen Zielsetzungen, können mit diesem Ansatz adressiert werden.

Darüber hinaus kann der Team Driven Concept Ansatz einen signifikanten ersten Schritt in Richtung agiler Transformation darstellen. Er kann sofort gestartet werden, auch wenn die eigentliche Entwicklung z.B. aufgrund fehlender technologischer Voraussetzungen noch nicht einem agilen Framework folgt. Im Gegensatz zu vielen anderen Modellen unterstützt er damit eine forward-Transformation anstatt der allgemein üblichen backward-Transformation. Damit die weiteren Entwicklungsprozessschnittstellen wie Design oder Entwicklung auch bei hybriden Modellansätzen nahtlos anknüpfen können, werden Vertreter aus diesen Prozessen mit in die Arbeit des agilen Concept Teams eingebunden. Schritt für Schritt kann nun einfacher in ein voll agiles Entwicklungsmodell transformiert werden.

Was lernen die Zuhörer*innen in dem Vortrag?

“Diese Spezifikation ist schlecht – damit können wir als IT Abteilung nicht weiterarbeiten” – “Die IT Abteilung blockt alles ab, liefert schlechte Qualität und ist ohnehin zu teuer”. So oder so ähnlich könnte ein Dialog zwischen Fachbereich und IT Abteilung lauten, wenn die Unternehmenskultur geprägt ist durch Silodenken, unklaren Verantwortlichkeiten und fehlendem Mut zu Entscheidungen. Die Folge sind Projekte mit Eskalationen – was leidet, ist die Qualität der Anforderungen und folglich die Qualität der Software und Systeme.

Unser Team Driven Concept Ansatz hat sich als Möglichkeit erwiesen, in eine solche Kultur zu intervenieren. Die wichtigen Stakeholder aus Fachseite und IT arbeiten gemeinsam in einem agilen Concept Team und leiten aus den Projektzielen detaillierte und abgestimmte Anforderungen ab. Innerhalb kurzer Zeit konnte man so in einem Großprojekt die Anzahl der Eskalationen, die zuvor auf der Tagesordnung standen, auf null reduzieren – und das, obwohl die eigentliche Softwareentwicklung noch klassisch erfolgte und „nur“ die Anforderungsdefinition prozessual verändert wurde. Die nun frei gewordene Zeit konnte direkt für die inhaltliche Arbeit am Konzept genutzt werden.

In diesem Vortrag stellen wir Ihnen unseren Team Driven Concept Ansatz vor, der sich aus agilen Frameworks bedient. Wir beschreiben das Rollen- und Prozessmodell sowie dazu passende Tools (wie z.B. Story Mapping und Kanban), die sich in der Praxis bewährt haben. Im Zentrum steht das agile Concept Team zur gemeinsamen Erarbeitung von Anforderungen auf Basis von Big Picture Modellen und davon abgeleiteten User Stories.
Wir sehen 3 verschiedene Möglichkeiten für den Einsatz unseres Team Driven Concept Ansatzes, die wir im Vortrag jeweils anhand eines Projektbeispiels erläutern werden:

  1. Im klassischen Wasserfall-Entwicklungsprozess:
    In einer Kultur geprägt von Silodenken, Fingerpointing und Eskalationen hat der Ansatz dazu geführt, dass in der Ideation und Analyse Phase plötzlich miteinander statt gegeneinander gearbeitet wurde. Die einzelnen Projektmitglieder hatten wieder Spaß an der gemeinsamen Arbeit, die Qualität der Anforderungsspezifikation ging schlagartig nach oben und das Projekt konnte seine Ziele übertreffen.
  2. Im agilen Entwicklungsprozess:
    In einer Auftraggeber–Auftragnehmer Situation mit unstrukturiertem Scope und weltweit verteilten Anforderern wird der Ansatz dazu genutzt, die Arbeit des Product Owners zu strukturieren und zu vereinfachen. Das Concept Team wird hier Product Owner Team genannt und hat den Fokus, die Vision des Product Owners in abgestimmte User Stories herunter zu brechen.
  3. In der agilen Transformation:
    In unserem dritten Beispiel wurde der Team Driven Concept Ansatz als Treiber in Richtung agile Transformation genutzt. Der Clou: im Gegensatz zu vielen anderen Modellen unterstützt er eine forward-Transformation anstatt der allgemein üblichen backward-Transformation. Das Unternehmen profitiert in der frühen Phase des Entwicklungsprozesses vom agilen Vorgehen, auch wenn in der eigentlichen Entwicklung noch der Wasserfall dominiert (beispielsweise, weil technische Voraussetzung wie Continuous Integration noch nicht geschaffen werden konnten). Es handelt sich dann um einen hybriden Ansatz, der Schritt für Schritt in einen voll agilen Ansatz transformiert werden kann.

Welche Chancen, Risiken und Grenzen unseres Ansatzes sehen Sie?

Eva Hafner
Eva Hafner

Dr. Eva Hafner verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung im IT Produkt Management und der Business Analyse bei unterschiedlichen Unternehmen,...


Sabine Wildgruber
Sabine Wildgruber

Sabine Wildgruber hat nach ihrem BWL- und Informatikstudium als Beraterin, Trainerin und Coach im Bereich strategisches und operatives...

45 Minuten Vortrag

Fortgeschritten
Zeit

13:15-14:00
08. Oktober


Zielgruppe

Product Owner, Business Analysten, Requirements Engineers, IT Management, Prozessverantwortliche


Themengebiet

Zusammenspiel klassisch/agil


Raum

Kindl 2


ID

Do2.2

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